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Gemeinschaftspraxis Uetendorf

Dr. med. Matthias Tapis - Dr. med. Mirjam Rolli

Neurodermitis - Behandlung

Bedarf die Neurodermitiker-Haut einer besonderen Pflege?

Ja. In ganz besonderem Masse bedürfen an Neurodermitis erkrankte Patienten neben der Behandlung durch Medikamente, die der Arzt verordnet, einer konsequenten, sorgfältigen Pflege. Es ist wichtig, die Haut durch regelmässige Fettung feucht zu halten und dadurch den Juckreiz zu mildern. Dabei sollten Produkte vermieden werden, die Reizstoffe enthalten, da sie ihrerseits Juckreizkrisen auslösen können.

Warum ist die Fettung der Haut so wichtig?

Eine gesunde Haut bildet einen Schutzmantel aus Hauttalg und Wasser, den sogenannten Hydrolipidmantel. Dadurch wird ein Austrocknen verhindert, und die Hornschicht bleibt elastisch. Weil die Haut eines Neurodermitikers diesen Hydrolipidmantel nicht in ausreichendem Masse selbst aufbauen kann, muss hier von aussen Fett zugeführt werden.

Wie kann der Haut Fett zugeführt werden?

Zur Pflege der Neurodermitis-Haut eignen sich vor allem fettreiche, aber auch wasserhaltige, stark feuchthaltende Salben, Crèmes oder Lotionen, die konsequent morgens und abends oder häufiger angewendet werden müssen. Je nach Grösse der betroffenen Fläche wählt man z.B. eine Fettcrème oder für die grossflächige Anwendung eine Lipolotio. Als hilfreich hat sich auch die Badetherapie mit medizinischen Ölbädern erwiesen. Dabei wird die Haut durch das Badewasser befeuchtet und anschliessend mit einem Lipidfilm vor Verdunstung geschützt. Die Wassertemperatur sollte nicht zu hoch sein (32-37*C), und die Dauer des Bades sollte 15 Minuten nicht übersteigen. Spreitende Öle erlauben eine besonders intensive Rückfettung und können auch direkt auf die feuchte Haut aufgetragen werden.

Wie soll die Haut gereinigt werden?

Die Haut wird mit handwarmem Wasser und mit einer möglichst geringen Menge eines milden Hautreinigungsmittels gewaschen. Zu bevorzugen sind Präparate mit saurem pH, die möglichst wenig austrocknend wirken und die natürlichen Lipide der Haut schützen. Durch den Gebrauch von zu heissem Wasser mit gleichzeitiger Seifenanwendung wird der Fett-Wasser-Film der Haut vermindert und ihr Säureschutz gestört. Nach dem sorgfältigen Entfernen des Waschmittels erfolgt unbedingt das Eincremen der feuchten Haut mit einer lipidreichen Fettcrème oder Lotion.

Häufiges und langes Baden oder Duschen ist zu vermeiden: 2-3mal pro Woche ist genug! Eine übertriebene Hygiene kann ebenfalls Ursache für trockene Haut und Juckreiz sein.

Ist eine Behandlung mit Kortison nötig?

Kortikoide für die äusserliche Anwendung gehören nach wie vor zu den wirksamsten Medikamenten zur Bekämpfung von Entzündung und Juckreiz, vor allem in den Phasen akuter Verschlimmerungen. Die Angst vor unerwünschten Kortison-Wirkungen ist bei richtiger Anwendung unbegründet. Wichtig ist es, die angepasste Wirkungsstärke zu wählen, die Therapiedauer zu beschränken und nach Abklingen der Hauterscheinungen mit pflegenden, wirkstofffreien Zubereitungen weiter zu behandeln. Auch mit einer sogenannten Pendel-Therapie, d.h. dem Abwechseln von wirkstoffhaltigen und wirkstofffreien Produkten, kann das Risiko von Kortikoid-Nebenwirkungen eliminiert werden. Halten Sie sich deshalb genau an das von Ihrem Arzt vorgeschlagene Therapieschema.